Darum um ist Schlafwandeln mehr als nur eine Auffälligkeit...

Eine der interessantesten und faszinierendsten Schlafstörungen ist das Schlafwandeln (wissenschaftlich Somnambulismus genannt). Jahrelang forschte die Medizin in diesem Bereich und noch heute ist unklar was genau im Gehirn von Schlafwandlern vor sich geht. 10 bis 30 Prozent aller Kinder sollen bereits eine solche Phase durchlebt haben. Bei den Erwachsenen sind lediglich 1 bis 7 Prozent betroffen. 

 

Verlauf der Störung

Schlafwandeln - So verläuft die StörungKinder und Jugendliche sind am stärksten betroffen. Erwachsene leiden seltener darunter, doch dafür schlafwandeln sie intensiver und häufiger. Hier ist die Statistik ungenau. Es ist schwer zu sagen, wann jemand wirklich schlafwandelt. Außerdem wird nicht immer erkannt, wenn jemand geschlafwandelt ist.

 

Drei Arten des Schlafwandelns 

Die erste Art ist am verbreitetsten. Der Betroffene setzt sich in seinem Bett auf, sieht sich ein bisschen um und schüttelt vielleicht noch seine Bettdecke auf. Das war es dann auch schon.

Bei der zweiten Art passiert schon mehr. Der Betroffene verlässt das Bett. Er läuft umher, öffnet Schränke und betritt andere Räume. Anschließend legt er sich wieder hin. 

Bei der letzten Art kommt es zu außergewöhnlichen Vorfällen wie in den folgenden Berichten:

 

  • Ein Mann in Schottland war früher Koch. Seit einigen Jahren steht er regelmäßig nachts auf und bereitet sich ein leckeres Essen zu. Unter anderem hat er sich Geschnetzeltes, Müsli oder Pommes Frites zubereitet. Aufgewacht ist er während dieser nächtlichen Koch- Aktion noch nie.
  • In London musste ein junges Mädchen morgens aus einem Kran gerettet werden. In der Nacht ist sie durch die Straßen gewandelt und anschließend den 40 Meter hohen Kran hinaufgeklettert.
  • Selbst Mordfälle passierten beim Schlafwandeln: Ein Pariser Polizist ermittelte im Jahr 1887 in einem Mordfall. Schließlich fand er heraus, dass er selbst im Schlaf das Opfer erschossen hatte. Hier stellt sich natürlich die Frage: Ist jemand des Mordes schuldig, wenn er ihn im Schlaf begangen hat?

Fast immer können sich Schlafwandler am nächsten Morgen an nichts mehr erinnern. Oft erschrecken sie beim Erwachen. 

 

Was geschieht im Gehirn eines Schlafwandlers?

In Aktion gehen die Schlafwandler ausschließlich in der Tiefschlafphase der ersten Nachthälfte. Sie bewegen und verhalten sich als wären sie wach. Gehirnströme beweisen aber, dass sie sich im Tiefschlaf befinden.

Kinder schlafen in der Regel tiefer als Erwachsene. Deshalb geht man davon aus, dass sie öfter schlafwandeln. Ein weiterer Grund könnte die nicht abgeschlossene Reifung des Gehirns sein. (Siehe weiter unten/ Ursachen) Forschungen erwiesen sich als komplizierter wie gedacht. Schlafwandler hatten im Labor oder bei Untersuchungen erstaunlicherweise keine Symptome. Dennoch hat man herausgefunden, dass beim Schlafwandeln ein Teil des Gehirns weiterschläft. Gehirnareale für Bewegung sind jedoch hellwach. Dieser Zustand dauert Sekunden oder wenige Minuten. Nur selten geht es länger als eine halbe Stunde.  Grundsätzlich können Schlafwandler alles, was sie auch im Alltag routinemäßig tun. Die Tätigkeiten reichen vom Gehen bis zum Auto fahren.

 

Große Gefahren 

Schlafwandler setzen sich einem hohen Risiko aus. Ihre Koordination ist schlecht, sie stolpern oft. Richtig gefährlich wird es, wenn sie das Haus verlassen.

 

Mögliche Ursachen für das nächtliche Schlafwandeln 

Das Schlafwandeln ist noch immer ein Mysterium der Forschung. Dennoch konnte man Regelmäßigkeiten und Verstärker feststellen. 

 

  • Die genetische Veranlagung - Beim Schlafwandeln handelt es sich nicht um eine psychische Störung. Die meisten Forscher gehen davon aus, dass das nächtliche Umherirren in Zusammenhang mit einer genetischen Veranlagung steht. Rund 80 Prozent aller Schlafwandler haben mindestens einen Verwandten, der nachts ebenfalls ungewollt unterwegs ist.

 

  • Im Reifungsprozess - Die Anzahl schlafwandelnder Kinder und Jugendlicher ist besonders hoch. Vermutlich arbeiten Gehirnregionen, die den Schlafablauf steuern, unkoordiniert. Das passiert, wenn die Hirnreifung noch nicht abgeschlossen ist. Hilfreich kann es sein, ein Tagebuch über den Betroffenen zu führen. Gegebenenfalls kann es mit dem Arzt besprochen werden.

 

  • Alkohol, Drogen und Stress - Stress, Alkohol, Medikamente und Schlafmangel können den Drang verstärken nachts auf Tour zu gehen.

 


Das Geheimnis mit dem Mond

Schon lange wird ein Zusammenhang zu den Mondphasen vermutet. Tatsächlich ist der Einfluss des Mondes nicht auszuschließen. Da Schlafwandler vom Licht angezogen werden fungierte hier der Mond als Lichtquelle. Heute wirkt die Straßenbeleuchtung anziehend auf Betroffene.

 

Ärztliche Behandlungsmöglichkeiten 

Glücklicherweise benötigt nicht jeder eine spezielle Therapie. Bei Kindern verschwindet die Störung von selbst. Da reicht es vollkommen aus, alle gefährlichen Gegenstände aus dem Weg zu räumen. Türen und Fenster sollten fest verschlossen sein. Sieht man den Schlafwandler umherirren, darf er auf keinen Fall geweckt werden. Besser ist es, ihn behutsam an der Hand zu nehmen und ihn zum Bett zu führen. In seltenen, sehr ausgeprägten Fällen kann eine medikamentöse Therapie notwendig werden. 

 

Du solltest zum Arzt gehen wenn...

du plötzlich anfängst schlafzuwandeln. Er wird Dir vermutlich raten ein Schlaflabor aufzusuchen. Wenn ein Kind oder Familienmitglied nachts ungewöhnliche oder auffällige Bewegungen macht, ist es immer sinnvoll mit einem Arzt darüber zu sprechen. Er kann Auslöser feststellen oder ausschließen. So diagnostiziert er Erkrankungen, die im Zusammenhang mit dem Schlafwandeln stehen.

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